Homeoffice 9 Min. Lesezeit 10. März 2021

Arbeiten im Homeoffice: Tipps für Deine Steuererklärung

Verfasst von Frithjof

Das Jahr 2020 war für uns alle kein Jahr wie jedes andere. Die Corona-Pandemie zwang zu vielen privaten sowie beruflichen Einschnitten und Veränderungen. Lockdown, Kurzarbeit, Quarantäne oder Homeoffice - um nur ein paar Beispiele zu nennen - prägten unseren Alltag. Im beruflichen Umfeld wurde das Arbeiten von zu Hause aus für viele Arbeitnehmer zum Standard. Egal wie Du ganz persönlich zu Homeoffice stehst, ob Du nun die Vorteile genießt oder die Nachteile verfluchst oder Dich einfach mit der neuen Situation arrangiert hast, Homeoffice hat auch Auswirkungen auf Deine Steuererklärung und damit auf Deinen Geldbeutel.


 

Hier erfährst Du mehr über Remote Work und die Vor- und Nachteile von Homeoffice

 


 

Der 02. August 2021 ist ein Montag, vermutlich wird es ein sonniger, warmer Tag werden und wie unzählige Montage zuvor, wird er den Beginn Deiner Arbeitswoche markieren. Aber warum erwähnen wir diesen einen Tag extra? Was ist so speziell an diesem 02. August? Ist es wirklich ein Tag wie jeder andere?

Ganz klares JA, das ist ein stinknormaler Montag! Außer, dass die Frist zur Abgabe deiner Steuererklärung für das vorangegangene Jahr an diesem Tag abläuft, falls Du eine machen musst. Denn nicht jeder muss eine Steuererklärung machen, aber jeder kann. Fangen wir damit an und räumen mit ein paar Irrtümern zum Thema Steuererklärung auf.

Frau mit Dokumenten am Schreibtisch sitzend


hartnäckige Irrtümer zum Thema Steuererklärung

Einmal eine Steuererklärung abgegeben heißt, immer eine Steuererklärung abgeben

Ganz klares NEIN. Ob Du wirklich eine Steuererklärung abgeben musst, hängt ganz davon ab, welche Steuerklasse Du hast. Mehr dazu erfährst du hier. Du bist z. B. in Steuerklasse I: Dann kannst Du eine Steuererklärung abgeben, musst es aber nicht. Generell gilt, wenn Du Lohnersatzleistungen (z.B. Arbeitslosengeld oder mindestens 410€ Kurzarbeitergeld) erhalten hast oder Du zwei Jobs gleichzeitig hattest, kannst Du zur Steuererklärung verpflichtet werden. Dann solltest du aktiv werden, denn das Finanzamt wird Dich nicht daran erinnern. 

 

Eine Steuererklärung zu machen, ist mega kompliziert.

NEIN. Als normaler Arbeitnehmer ist eine Steuererklärung nicht wirklich kompliziert. Du kannst Deine Steuererklärung selbst machen und dabei das offizielle und kostenlose Tool der Finanzbehörden nutzen: ELSTER (Elektronische Steuererklärung). Bei komplexeren Steuerfällen solltest Du Dir Hilfe bei einem Steuerberater holen oder Du informierst Dich bei einem Lohnsteuerhilfeverein.
 

Die Frist ist abgelaufen, jetzt hab ich ein Problem

JA und NEIN. Du warst beispielsweise 2020 in Kurzarbeit und musst eine Steuererklärung abgeben, dann lautet die Frist 31. Juli 2021. Da das aber ein Samstag ist, fällt der Stichtag auf den darauffolgenden Montag, den 02. August. 

Generell gilt: Wenn du zum ersten Mal (vollkommen freiwillig) Deine Steuererklärung einreichst, entfällt dieser Stichtag. Du kannst sogar die vergangenen vier Jahre einreichen (Studenten sogar 7 Jahre). Das gilt auch, wenn Du dieses Jahr erstmals dazu verpflichtet bist. Reiche also auch Deine Steuererklärung für die vorangegangenen Jahre gleich mit ein. Das lohnt sich!

 

Als Mieter kann ich meine Nebenkosten nicht absetzen

DOCH. Als Mieter kannst Du Deine Nebenkosten als haushaltsnahe Dienstleistungen geltend machen. Dazu zählen z.B. Hausreinigung, Müllentsorgung, Hausmeisterkosten, Betriebs- und Wartungskosten eines Aufzuges (natürlich nur, wenn es in Deinem Haus einen gibt 😉), usw. Die Kosten dazu findest Du in Deiner jährlichen Betriebskostenabrechnung. Oder Du fragst bei Deinem Vermieter nach.

 

Gegen meinen Steuerbescheid kann ich nichts machen

Ganz klares NEIN. Bevor Du Deine Steuererklärung abgeschickt hast, hast Du es online durchrechnen lassen und erwartest daher eine bestimmte Summe. Im Steuerbescheid des Finanzamtes fällt die Rückzahlung aber viel geringer aus, als Du angenommen hast. Das ist nicht in Stein gemeißelt. Dagegen kannst Du Einspruch einlegen und das Finanzamt muss Deinen Steuerbescheid prüfen. Informationen zum Einspruch findest du hier.

Mann mit Laptop


Deine Steuererklärung in Zeiten von Homeoffice

Du hast auf Grund von Corona im letzten Jahr monatelang von zu Hause aus gearbeitet. Da es bei Dir kein separates Arbeitszimmer gibt, hast Du mit Deinem Laptop entweder im Wohnzimmer oder der Küche gearbeitet. In normalen Zeiten hättest Du die entstandenen Mehrkosten an Strom, Wasser und Heizung nicht von der Steuer absetzen können. Denn der Bundesfinanzhof entschied im Jahr 2016, dass Aufwendungen für „einen in die häusliche Sphäre eingebundenen Raum, der mit einem nicht unerheblichen Teil seiner Fläche auch privat genutzt wird” nicht als Betriebsausgaben beziehungsweise Werbungskosten berücksichtigt werden dürfen. Das heißt: kein extra Arbeitszimmer, keine Berücksichtigung bei der Steuererklärung. Das ändert sich nun aber für die Jahre 2020 und 2021 dank der Homeoffice-Pauschale.  

 

Was ist die Homeoffice-Pauschale?

Wenn Du Deine Küche, Schlaf- oder Wohnzimmer als Heimbüro genutzt hast, kannst Du für jeden Kalendertag an dem Du ausschließlich von zu Hause aus gearbeitet hast, fünf Euro pro Tag ansetzen. Das jährliche Maximum beträgt 600 Euro, was 120 Arbeitstagen entspricht. Auch wenn Du 150 oder 200 Tage im Homeoffice warst, kannst Du nur 120 Tage angeben. Mit der Homeoffice-Pauschale sollen entstandene Mehrkosten für Internet, Strom, Wasser und Heizung ausgeglichen werden.
 

Was musst Du beachten?

Wenn Du die Homeoffice-Pauschale nutzen möchtest, solltest Du Dir genau merken, an wie vielen Tagen Du von zu Hause aus gearbeitet hast und an wievielen vom Büro: z.B. 100 Tage Homeoffice, 120 Tage Büro. Am besten ist eine präzise Auflistung Deiner Homeoffice-Tage mit Datum, Anzahl der Stunden und Uhrzeit. Außerdem solltest Du Dir eine offizielle Dienstanweisung geben lassen, sodass Du schriftlich nachweisen kannst, dass Du im Homeoffice arbeiten musstest. Damit sicherst Du Dich zu 100% ab.

Die fünf Euro Homeoffice-Pauschale pro Tag kannst Du nur dann geltend machen, wenn Du ausschließlich einen Tag zu Hause gearbeitet hast. Du warst am Vormittag zu Hause und hattest am Nachmittag einen Kundentermin außerhalb oder warst für ein paar Stunden im Büro? Dann würde die Homeoffice-Pauschale für diesen Tag entfallen. Du kannst in dem Fall die Fahrtkosten über den Reisekostenausgleich oder die Entfernungspauschale zwischen zu Hause und Büro gelten machen.

Wenn Du nicht nur hin und wieder sondern ausschließlich von zu Hause aus gearbeitet hast, kannst Du Deine entstandenen Kosten vollständig von der Steuer absetzen. Voraussetzung ist allerdings, dass Du ein separates Arbeitszimmer hast. Und dass dieses Zimmer auch nur als Büro und nicht privat genutzt wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob Dein Heimbüro auf einer anderen Etage liegt oder ein kleines Häuschen im Garten ist. Mehr Informationen zum Thema Arbeitszimmer findest Du hier.

Frau sitzt auf Sofa und arbeitet am Laptop

 

Bekommst Du Deine fünf Euro pro Homeoffice-Tag ausgezahlt?

Leider NEIN. So funktioniert es nicht. Jetzt wird es etwas kompliziert. Die 600 Euro Homeoffice-Pauschale, die Dir maximal zustehen, werden erst einmal von der Werbungskostenpauschale geschluckt. Die Werbungskostenpauschale beträgt 1000 Euro und wird Dir vom Finanzamt als Steuervergünstigung jedes Jahr automatisch angerechnet. Mit diesem Pauschalbetrag werden beruflich veranlasste Kosten abgedeckt, ohne dass Du Belege oder Nachweise einreichen musst. Dein zu versteuerndes Einkommen reduziert sich automatisch um diese Werbungskostenpauschale. Du solltest unbedingt Belege sammeln, die Du zusammen mit Deiner Steuererklärung einreichen kannst, wenn Deine beruflich bedingten Aufwendungen den 1000 Euro Pauschbetrag übersteigen. 

Für Deine Homeoffice-Pauschale bedeutet das nun folgendes: Die maximal 600 Euro musst Du noch durch weitere Werbungskosten ergänzen, sodass du über 1000 Euro kommst, um eine Steuerrückzahlung zu erhalten. Beispielsweise durch die Pendlerpauschale, Weiterbildungskosten, neue Arbeitsgeräte, Arbeitskleidung usw. Meistens reicht es aus, wenn Du Dir Deine Pendlerpauschale genau ausrechnest. Unabhängig davon wie Du zur Arbeit kommst, stehen Dir 30 Cent pro Kilometer zu, die Du zu Deiner Homeoffice-Pauschale addieren kannst. 

 

Hier hast Du ein Beispiel, wie es aussehen kann: 

  • Du hast im Jahr 2020 100 Tage im Homeoffice gearbeitet, d.h. 500 Euro Homeoffice-Pauschale stehen Dir zu.

  • Du hast 120 Tage im Büro gearbeitet und dein normaler Arbeitsweg beträgt 5 Kilometer, d.h. Du bekommst 180 Euro Pendlerpauschale.

  • Du hattest keine weiteren Werbungskosten.

  • Du kannst also maximal 680 Euro angeben und bleibst damit deutlich unter den 1000 Euro der Werbungskostenpauschale. Die Homeoffice-Pauschale nützt Dir also nichts.

Du bräuchtest also einen wesentlich längeren Arbeitsweg und/oder eine ganze Menge an Werbungskosten. Das musst Du im Blick behalten und Dir genau ausrechnen. Die Homeoffice-Pauschale bringt leider nicht jedem etwas, da sie nicht zusätzlich zum regulären Pauschbetrag gilt, sondern mit diesem verrechnet wird. Das ist sicherlich ein Wermutstropfen an der Pauschale. Fairerweise muss man aber auch bedenken, dass nicht jeder im Homeoffice arbeiten kann. Viele Berufsgruppen haben diese Möglichkeit ganz einfach nicht. Diese wären steuerlich extrem benachteiligt, wenn die Homeoffice-Pauschale zusätzlich zu den Werbungskosten anzurechnen ginge. 

 

 

Hier findest Du passende Jobs, die auch Homeoffice anbieten

 


 

Eine Steuererklärung auszufüllen ist gar nicht so kompliziert, wie Du vielleicht gedacht hast. Auch wenn Du noch unerfahren bist und Deine Steuererklärung zum ersten Mal machst, bist Du, dank der ELSTER-Hilfe und vielen Online-Ratgebern, nicht auf Dich alleine gestellt. Unabhängig davon, ob Du die Homeoffice-Pauschale nutzen kannst oder nicht, lohnt es sich in den meisten Fällen, sich die Zeit für seine Steuererklärung zu nehmen. 


Wie stehst Du zum Thema Steuer und Steuererklärung? Teile Deine Erfahrungen hier mit uns. Wir sind gespannt.

Steuererklärung - Wie gehst Du damit um?

 

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Ursprünglich veröffentlicht am 10. März 2021